Angela Böhme Artist Statement
In meinen Arbeiten geht es mir um das Fokussieren von existenziellen, menschlichen Bedingungen. Zunehmend interessiert mich dabei das Thema der Körperlichkeit.
In der Kunst ist es im Gegensatz zu anderen Bereichen möglich, tabuisierte und vernachlässigte Anteile zu zeigen und zu benennen. Durch das Benennen versuche ich, diese wieder zu integrieren und erfahrbar zu machen. »Es« zu benennen schafft Präsenz (Gegenwärtigkeit).
Rückblickend betrachte ich meinen Werdegang als »Weg vom Schein zum Sein«: Nach dem Studium der Theatermalerei (Illusion, Repräsentation, Perfektion des Handwerks und der »Schöne Schein« stehen hier im Vordergrund), galt meine Suche der persönlichen Ausdrucksmöglichkeit und meine Frage richtete sich nach Inhalt, Zweck und Sinn gestalterischen Arbeitens. Ich fand meinen Weg in die Fachklasse von Prof. Ulrike Grossarth, in deren Methode es unter anderem darum geht, einen Bilde-Prozess von Innen her zu beginnen, in dem das Idealbild des eigenen Körpers und die Inszenierung immer mehr verschwinden und die Gegenwärtigkeit des eigenen Körpers entstehen kann (Präsenz).
Biografisches zu beobachten und in eine künstlerische Form zu transformieren, sehe ich seitdem zunehmend als Methode meines künstlerischen Arbeitens.
Um konkrete Erlebnisse oder auch Gefühle und Wünsche zu transformieren,
entwickle ich Bilder von Phantasieobjekten und Allegorien. Auf der Suche nach Prototypen bringe ich in der Umsetzung vielfältige Variationen hervor. Den vom mir angestrebten enzyklopädischen Charakter in meinen Bildern und Arbeiten erzeuge ich durch:
1. die Wahl der Titel (teilweise wähle ich ganze Sätze )
2. durch serielles Arbeiten mit der Beschränkung auf Grundformate und
3. durch die Darstellung von Objekten auf weißem Grund.
So erschaffe ich eine sich ständig erweiternde persönliche Enzyklopädie, die mir als Mittel der Reflexion, Vergegenwärtigung, Selbstheilung und, nicht zuletzt, als Kommunikationsmittel dient.
Während ich vor 2007 in verschiedenen Medien arbeitete (neben Gemälden und Grafiken entstanden raumbezogene Wandmalereien, Installationen, Video, Aktionen/Performances) konzentriere ich mich seit 2007 auf das malerisch-zeichnerische Arbeiten auf Papier und auf vereinzelte dreidimensionale Objekte.
Bei den Blättern im Format 42 x 59 cm und 59 x 84 cm setze ich Acrylfarbe, den Bleistift und/ oder Zeichenkohle ein. Bei den Formaten bis 30 x 30 cm ist ein zeichnerischer und skizzenhafter Charakter vorherrschend.
Einige Arbeiten bewegen sich auf der Schwelle von der zweiten zur dritten Dimension: ich löse Objekte aus dem Format heraus, indem ich sie ausschneide und im Raum installiere. Bei den dreidimensionalen Arbeiten materialisiert sich die jeweilige Objektidee nicht nur bildlich, sondern auch räumlich.